von Dr. Andrea Breßler und Dr. Klaus Manns
Um die Parkplatzsituation auf Tank- und Rastanlagen kurzfristig
für die Lkw-Fahrer zu verbessern, wurde das telematisch gesteuerte
Lkw-Parken® (lkw-Kolonnen-Parken) entwickelt. Durch das computergesteuerte
Sortieren der Lkw nach ihren Abfahrtszeiten wird die vorhandene
Fläche besser ausgenutzt. Ein Pilotprojekt wird durch das Land
Rheinland-Pfalz auf der Tank- und Rastanlage in Montabaur durchgeführt.
Jeder kennt das Problem, insbesondere die Transportunternehmen
und die Fahrer: Tank- und Rastanlagen sind nachts hoffnungslos überfüllt.
Stundenlanges Suchen nach einem Parkplatz für die Nacht bestimmt
mittlerweile den Alltag der Fahrer.
Die Folgen auf den Tank-
und Rastanlagen sind überall abgestellte Lkw, in Fahrgassen,
in Einfahrtsbereichen und auf Pkw-Parkplätzen. Fahrer, die
auf den ausgewiesenen Parkplätzen und Autohöfen nicht
unterkommen können, parken abseits der Autobahnen in Industrie-
und Gewerbegebieten oder einfach überall dort, wo sie einen
Abstellplatz finden.
Gefahren entstehen durch die in den Einfahrten zu den Rastanlagen
und den Parkplätzen abgestellten Lkw, die in der Regel unbeleuchtet,
von anderen einfahrenden Fahrzeugen zu spät gesehen werden
sowie durch übermüdete Fahrer, die ihre Lenkzeiten überschreiten,
weil sie keinen Parkplatz finden. Durch die Parkplatzsuche werden
sie zusätzlich belastet und sind völlig entnervt.
Ständig steigende Verkehrszahlen
im Güterverkehr lassen erwarten, dass sich die schon heute
angespannte Situation weiter verschärfen wird. Die seitens
des Bundesverkehrsministeriums verfolgten Ausbauabsichten sind sehr
aufwendig, kostenintensiv und nur langfristig umsetzbar.
Kurzfristige Abhilfe bzw. mindestens eine Verbesserung der Situation
könnte durch das telematisch gesteuerte Lkw-Kolonnen-Parken
erreicht werden. Die technische Innovation, die dem Projekt zugrunde
liegt, stammt von MANNS Ingenieure, Dr. Manns + Conrad GmbH, einem
mittelständischen, rheinland-pfälzischen Ingenieurbüro
für Verkehrswesen aus Wirges im Westerwald.
Danach werden im Einfahrtsbereich
zu den Parkplätzen ein Terminal und eine Schranke aufgestellt.
Bei der Ankunft auf dem Parkplatz gibt der Fahrer am Terminal seine
gewünschte Abfahrtszeit an. Er erhält einen Parkplatz,
der genau hinter dem Fahrzeug liegt, das kurze Zeit vorher losfahren
wird. Auf diese Weise werden die Parkplätze so gefüllt,
dass die vorhandene Fläche optimal genutzt wird. Gleichzeitig
wird sichergestellt, dass der Fahrer wie geplant abfahren kann.
Auf der gleichen Fläche lassen sich so rund 40 % bis 100 %
mehr Parkplätze unterbringen als bisher.
Gegenüber der baulichen Erweiterung von Parkplätzen
sind die Kosten für die Einrichtung des telematisch gesteuerten
Parkens vergleichsweise gering. Außerdem können damit
viel schneller Kapazitätserweiterungen und somit
Verbesserungen für die Verkehrssicherheit erreicht werden.


Abb. 1: Telematisch gesteuertes Lkw-Kolonnen-Parken
Das System wird seit September 2005 versuchsweise an der Tank- und
Rastanlage Montabaur an der A 3 erprobt. Dazu wurden die vorhandenen
Parkplätze und Fahrgassen neu eingeteilt, und zwar in einzelne
Reihen, in der je nach Fahrzeuglänge 3 bis 5 Lkw hintereinander
geparkt werden können. Im Einfahrtsbereich der umgestalteten
Fläche werden ein Terminal und eine Schranke installiert.
Das Terminal dient zum Erfassen der gewünschten Abfahrtszeiten
und ggf. der Fahrzeuglängen. In 16 Sprachen wird der Fahrer
menü-geführt und kann die entsprechenden Angaben machen.
Sowohl auf dem Display als auch auf einem Ausdruck bekommt er die
Parkreihe zugewiesen und die eingegebene Abfahrtszeit bestätigt.
Der Parkschein soll, insbesondere für Kollegen, sichtbar am
Fenster der Fahrertür eingeklemmt werden. Eine Parkgebühr
wird nicht erhoben.
Nachdem sich die Schranke geöffnet hat, fährt der Fahrer
in die zugewiesene Reihe und schließt auf den Vordermann dicht
auf. Er kann sicher sein, dass das vor ihm stehende Fahrzeug, bevor
er wegfahren möchte, bereits weggefahren ist.
Der Lkw-Parkbereich ist nur über eine Schrankenanlage einfahrbar.
Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Fahrzeuge ohne entsprechende
Anmeldung und Zuweisung den Parkplatz belegen.
Sofern das System keine freien Parkplätze zur Verfügung
hat, erhält der Fahrer eine entsprechende Nachricht, vorteilhafter
Weise auch eine Auskunft, wo freie Parkplätze auf Tank- und
Rastanlagen vorhanden sind. Die Angaben werden auch ausgedruckt
und können der Polizei oder der BAG gezeigt werden.
Bei der Neuorganisation des Lkw-Parkbereiches werden auch viele
Anregungen durch Fahrerbefragungen berücksichtigt. Zum Beispiel
sollen die Kühlfahrzeuge auf separaten Parkstreifen abgestellt
werden. Ggf. soll für diese Fahrzeuge auch eine eigene Stromversorgung
vorgesehen werden. Aus Gründen des Lärmschutzes sollen
die Führerhäuser üblicher Weise auf der autobahnabgewandten
Seite stehen. Speziell in Montabaur besteht diese Notwendigkeit
nicht, weil die Autobahn durch einen Lärmschutzwall abgeschirmt
wird. In der Nähe der Tankstelle werden für das schnelle
Versorgen Kurzzeitparkplätze eingerichtet.
Das Pilotprojekt „Intelligenter Parkplatz“ wird von
Bund, Land Rheinland-Pfalz und MANNS Ingenieure durchgeführt.
Wichtig ist, dass das System auch von den Fahrern akzeptiert wird.
Dies ist der Fall, weil keine wirklichen Nachteile entstehen. Eine
Einschränkung der Abfahrtsmöglichkeit findet nicht statt.
Tatsächlich treten systembedingt keine Behinderungen auf. An
stehengebliebenen Fahrzeugen kann über die bereits geleerten
benachbarten Reihen vorbeigefahren werden.
Im Rahmen des Probebetriebes war anfangs eine 24-stündige Betreuung
über die gesamte Zeit vorgesehen; diese wurde auf die Hauptnachfragezeiten,
Montag bis Donnerstag von 16.00 bis 24.00 h reduziert. Die geschulten
Mitarbeiter sind gerne bereit, das System zu erläutern, sind
beim Bedienen des Terminals behilflich und stehen bei Problemen
jederzeit zur Verfügung. Die "Parkwächter" sind
bei den Fahrern beliebt und sorgen für Sicherheit auf dem Parkplatz.

Abb. 2: Planung T+R-Anlage Montabaur
Das System ist in der Lage, aus den bisher in Montabaur vorhandenen
42 ordnungsgemäßen Parkplätzen 84 zu machen, das
bedeutet eine Verdoppelung. In einer weiteren Anlage bei Kassel
wurden aus 100 konventionellen Stellplätzen 175 geschaffen.Dies
ist der eigentliche Vorteil, insbesondere für die Fahrer, denen
die neugeschaffenen Parkplätze nunmehr zur Verfügung stehen.
Dies alles geschieht auf kostengünstige Art und Weise und ist
vor allem schnell realisierbar. Das System hat sich bewährt
und wird, von den Transportunternehmen, den Verbänden und von
den Fahrern angenommen und könnte kurzfristig auf weitere Anlagen
übertragen werden.
Damit würden auch die chaotischen Verhältnisse auf den
Tank- und Rastanlagen wegfallen und ein ordnungsgemäßer
Betriebsablauf, insbesondere auch im Hinblick auf eventuelle Notfälle
(Feuerwehr und Polizei) ermöglicht.
Mehrere an einer Autobahnstrecke eingerichtete Anlagen könnten über
ein Parkleitsystem miteinander verbunden werden. Auf diese Weise
könnte der Fahrer über Beschilderung, Rundfunk, Handy,
Internet, Navigationssystem usw. über die Parksituation informiert
werden und rechtzeitig zu einem freien Parkplatz geleitet werden.
Der Versuch sollte zeigen, ob die Anlage wie geplant funktionieren
wird. Das Lkw-Kolonnen-Parken wird auch in anderen Bundesländern
sowie im europäischen Ausland eine Nachfrage haben. Auch die
EU unterstützt das Vorhaben. Dennoch sind sich das Land Rheinland-Pfalz
und das betreuende Ingenieurbüro darüber im Klaren, dass
der Bau neuer Parkplätze an überlasteten Standorten zusätzlich
erforderlich ist. Das telematisch gesteuerte Lkw-Parken® kann
aber kurzfristig zu einer erheblichen Verbesserung der Situation
führen.


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